Den Islam kennenlernen: Glaube, Gottesdienst, Moral und Verantwortung
Der Islam lehrt den Glauben an den einen Gott, die Ausrichtung des Herzens und ein Leben in Verantwortung gegenüber den Menschen, der Gesellschaft und der gesamten Schöpfung. Muslime glauben, dass Gott im Laufe der Geschichte Propheten gesandt hat, Muhammad (s.a.w.) der letzte Prophet ist und der Koran das geoffenbarte Wort Gottes ist.
1. Was bedeutet der Begriff 'Islam'?
Der Begriff 'Islam' stammt aus dem Arabischen und bedeutet die Hingabe an Gott sowie das freiwillige Ausrichten auf Ihn. 'Islam' und 'Salam' (Frieden) entspringen derselben Sprachwurzel. Der wahre Frieden entsteht durch ein harmonisches Verhältnis zu Gott, sich selbst und den Mitmenschen.
Muslime sehen den Islam nicht erst als eine im 7. Jahrhundert neu entstandene Religion, sondern als die Fortführung der einen Monotheismus-Botschaft Gottes, die allen Propheten von Adam über Noah, Abraham, Moses bis hin zu Jesus offenbart wurde.
2. Wer ist Gott (Allah) im Islam?
Im Zentrum des Islam steht der Tawhid – der reine Glaube an den einen, einzigen Gott. Gott ist der Schöpfer von allem; Er hat keine Partner, benötigt nichts und gleicht keinem Geschöpf.
'Allah' ist kein spezieller Name eines exklusiven muslimischen Gottes, sondern schlicht das arabische Wort für Gott. Auch arabischsprachige Christen nutzen das Wort 'Allah' für Gott.
Muslime kennen Gott als den Barmherzigen, den Vergebenden, den Gerechten, den Allwissenden und den Menschen Nahestehenden.
3. Wozu ist der Mensch erschaffen worden?
Im Islam hat das menschliche Leben eine hohe Würde und einen Sinn. Der Mensch ist aufgerufen, Gott zu erkennen, Das Gute zu verwirklichen und Verantwortung auf der Erde zu übernehmen.
Der Mensch lebt nicht nur für sich selbst. Er trägt Verantwortung für Familie, Nachbarn, Bedürftige, Gesellschaft und die Umwelt.
Gottesdienst und Alltag sind im Islam unzertrennlich: Ehrlich zu arbeiten, Wort zu halten, Eltern gut zu behandeln und Helfen gehören genauso zum religiösen Leben.
4. Die Propheten Gottes
Muslime glauben, dass Gott die Menschheit nicht ohne Führung gelassen hat. Zu verschiedenen Zeiten wurden Propheten als Vorbilder gesandt.
Im Koran werden viele Propheten genannt wie Adam, Noah, Abraham, Ismael, Isaak, Jakob, Joseph, Moses, David, Salomo, Johannes und Jesus.
Die Kernbotschaft aller Propheten war dieselbe: An den einen Gott zu glauben, Ihm zu dienen und gerechte Moral unter den Menschen zu leben.
5. Jesus (Isa) und Maria (Maryam) im Islam
Jesus (Isa a.s.) ist im Islam einer der bedeutendsten Gesandten Gottes.
Muslime glauben an die jungfräuliche Geburt von Maria (Maryam) sowie an seine Wunder. Maria nimmt im Koran eine besondere Stellung ein; eine ganze Sure trägt ihren Namen.
Es gibt auch klare Unterschiede: Muslime achten Jesus als Gesandten Gottes, sehen ihn jedoch nicht als Sohn Gottes oder Gott selbst. Diese Gemeinsamkeiten und Unterschiede bilden die Basis für aufrichtigen und respektvollen Dialog.
6. Der Koran – Das heilige Buch
Der Koran ist das heilige Buch des Islam. Muslime glauben, dass er dem Propheten Muhammad über einen Zeitraum von etwa 23 Jahren durch den Erzengel Gabriel offenbart wurde.
Er behandelt Themen wie Gott, Menschheit, Schöpfung, Ethik, Gottesdienst, Familie, Gerechtigkeit und das Leben nach dem Tod.
7. Wer war Prophet Muhammad (s.a.w.)?
Prophet Muhammad (s.a.w.) wurde im Jahr 571 in Mekka geboren. Er verlor früh seine Eltern und war in seiner Gesellschaft als 'Al-Amin' (der Vertrauenswürdige) bekannt.
Mit 40 Jahren empfing er die erste Offenbarung. Muslime sehen in ihm keinen Gott, sondern den Diener und letzten Gesandten Gottes.
Seine Handlungen und Lehren werden als 'Sunnah' bezeichnet. Er betonte stets den Schutz von Waisen, Armen und lehrte, dass kein Mensch wegen seiner Herkunft oder Hautfarbe überlegen ist.
8. Woran glauben Muslime? (Die 6 Glaubensartikel)
1. Glaube an Gott
Glaube an den einen Schöpfer des Universums.
2. Glaube an Engel
Glaube an die von Gott erschaffenen Engel.
3. Glaube an die Bücher
Glaube an Gottes geoffenbarte Schriften.
4. Glaube an Propheten
Glaube an alle von Gott gesandten Gesandten.
5. Glaube an den Gerichtstag
Glaube an die Auferstehung und Verantwortung.
6. Glaube an die Vorsehung
Glaube an Gottes Allwissenheit und Fügung.
9. Die 5 Säulen der islamischen Praxis
10. Gute Moral im Islam
Im Islam sind Gottesdienst und gute Moral unzertrennlich. Der Glaube soll im täglichen Verhalten sichtbar werden.
11. Der Islam und andere Religionen
Der Islam teilt historische und religiöse Verbindungen zum Judentum und Christentum. Propheten wie Abraham, Moses und Jesus werden geachtet.
Gleichzeitig gibt es wichtige theologische Unterschiede. Als ÖIF glauben wir, dass diese Unterschiede gegenseitigem Respekt und offenem Dialog nicht im Wege stehen.
12. Zusammenleben in der Gesellschaft
Muslim zu sein und ein aktiver Teil der österreichischen Gesellschaft zu sein, stehen nicht im Widerspruch zueinander.
Die ÖIF setzt sich für gesellschaftlichen Frieden, Religionsfreiheit und Menschenwürde ein.
13. Die Moschee – Mehr als ein Gebetsort
Die Moschee ist Ort des Gebets, aber auch Treffpunkt für Bildung, Jugendarbeit, Wohlfahrt und Nachbarschaft.
Die Türen unserer Moscheen stehen Besuchern aller Glaubensrichtungen offen. Sie sind herzlich eingeladen!
14. Ramadan und Festtage
Ramadan ist eine Zeit der Einkehr, des Gebets, des Teilens und der Verbundenheit. Abends wird das Fasten gemeinsam gebrochen (Iftar).
Häufige Fragen zum Islam
Kompakte Antworten auf wichtige Lebens- und Glaubensfragen.
Wer ist Allah?
'Allah' ist das arabische Wort für den einen Schöpfer. Er ist barmherzig, gerecht und hat keine Partner.
Glauben Muslime an Jesus?
Ja, Jesus (Isa a.s.) ist im Islam ein hochverehrter Prophet und Messias, der wunderbar von der Jungfrau Maria geboren wurde.
Wie ist die Stellung der Frau im Islam?
Mann und Frau besitzen vor Gott die gleiche menschliche Würde und haben Rechte auf Bildung, Eigentum und freie Wahl.
Warum tragen manche muslimische Frauen ein Kopftuch?
Das Kopftuch ist eine religiöse Gebotsentscheidung aus Überzeugung und Ausdruck des persönlichen Glaubens.
Wie steht der Islam zu Gewalt und Extremismus?
Der Islam lehnt Terrorismus, Radikalismus und Gewalt strikt ab. Der Koran besagt: 'Wer ein unschuldiges Leben tötet, ist als hätte er die ganze Menschheit getötet.'
Dürfen Nichtmuslime eine Moschee betreten?
Ja, unsere Moscheen stehen jedem offen. Sie sind herzlich willkommen, uns zu besuchen.
Was bedeutet 'Halal'?
'Halal' bedeutet erlaubtes Verhalten und reine Nahrungsmittel im Einklang mit religiösen Richtlinien.
Wie stehen Islam und Demokratie zueinander?
Gerechtigkeit, Rechtsstaatlichkeit und Konsultation (Schura) sind Kernprinzipien des Islam und stehen im Einklang mit demokratischen Werten.
Haben Sie Fragen zum Islam?
Sie müssen nicht Muslim sein, um Fragen zu stellen. Wir laden Sie herzlich ein, eine Moschee zu besuchen oder ein ruhiges Gespräch zu führen. Jede Frage ist wertvoll.
